André Thiel

Amalgamalternativen

Amalgam ist ein Gemisch aus Silber und Quecksilber sowie gewissen Zusätzen. Die Nutzung als Füllungsmaterial geht zurück bis in das Mittelalter ( z.B. J.Stockerus – Stadtarzt von Ulm anno 1513 ). Zur Jahrhundertwende hat sich dieses Füllungsmaterial dank seiner leichten Verarbeitung, geringen Kosten und vergleichsweise guten Ergebnissen durchgesetzt. Seit dieser Zeit ist die Rezeptur mehrfach verbessert worden. Bis heute ist Amalgam ein gebräuchliches und bewährtes Füllungsmaterial für das Seitenzahngebiet.
Es war immer ein Nahziel zahnärztlicher Forschung, geeignete Alternativen zu finden. In jüngster Vergangenheit hat der Einsatz des Materials zu heftigen Diskussionen in der Bevölkerung geführt. Die Erklärung eines Widerspruchs spielt in der zahnärztlichen Praxis immer wieder eine große Rolle. Weshalb darf Amalgam nicht ungestraft in das Abwassernetz gelangen, aber soll dennoch als Füllungsmaterial in den Zähnen völlig unschädlich sein ?
Die Entscheidung zum Einsatz bzw. zum Austausch des Materials erfolgt, nach umfangreicher Aufklärung zu den Risiken und Nebenwirkungen ,durch den Zahnarzt.
Die heutigen Möglichkeiten einer gesunden Ernährung, optimalen Vorsorge und befundbezogener zahnärztlicher Behandlung lassen die Verwendung des Amalgams nur noch in Ausnahmefällen notwendig erscheinen. Ein vergleichsweise kostengünstiges Füllungsmaterial für das Seitenzahngebiet fehlt bis heute.
Ein sofortiges Verbot dieses Materials könnte aber für bestimmte Bevölkerungsgruppen zu einer erheblichen Verschlechterung deren Zahngesundheit führen.
Als praktikabel gilt das Konzept, wonach bei beginnenden Zahnschäden durch Karies auf Amalgam völlig verzichtet wird. Besonders bei Kindern, Jugendlichen und Frauen im gebärfähigen Alter wird kein Amalgam mehr verwendet. Alte und schlechte Amalgamfüllungen können durch quecksilberfreie Versorgungen ersetzt werden. Eine Totalsanierung ( vollst. Entfernung sämtlicher Amalgamfüllungen ) ist nicht uneingeschränkt zu empfehlen.

Amalgamsanierung

Die Palette der alternativen Füllungsmaterialien lässt sich grob in metallische und metallfreie Versorgungen einteilen.

metallische Füllungen

  • Goldhämmerfüllung – Bei kleinen Defekten wird unter Verwendung einer bestimmten Technik , schichtweise Gold ( Goldfolie/ Pellets ) eingebracht. Das Verfahren ist relativ aufwendig. Die Qualität der Versorgung ist ausgezeichnet. Besonders die Liegedauer ( 20 und mehr Jahre ) ist hervorragend.
  • InlayDiese zumeist aus Gold hergestellte „Plombe“ ist sehr belastungsfähig. Es lassen sich sehr große Defekte der Hartsubstanz versorgen. Die Liegedauer , bei guter Pflege , erreicht im Durchschnitt 15 Jahre. Durch die Herstellung dieser gegossenen Füllung im zahntechnischen Labor ist der Kostenaufwand höher. Das Preis-/ Leistungsverhältnis ist allerdings sehr gut.

metallfreie Füllungen

  • Zemente – glasverstärkte Zemente gelten nur noch im Milchgebiß als zweckmäßig.
  • Kunststoffe – im Seitenzahngebiet werden diese zahnfarbenen Materialien bei kleinen Defekten genutzt. Die Schrumpfung des Materials begrenzt den Einsatz. Der gesamte Füllungsrand muß von Zahnschmelz umgeben sein. Die Liegedauer kann mit 4 Jahren angegeben werden.
  • Teilkeramikein besonders großer Anteil gut verteilter mineralischer Zusätze erhöht die Festigkeit und die Liegedauer des Materials. Die gute Polierbarkeit wird besonders bei der Anwendung im sichtbaren Bereich geschätzt. Das akzeptable Preis-/Leistungsverhältnis hat zu großer Verbreitung des Verfahrens beigetragen.
  • MischprodukteDie Nutzung der Vorteile der bisher genannten Materialien hat zur Entwicklung von Compomeren und Ceromeren geführt. Eine Versorgung von Zahnhalsdefekten
    ist möglich.
  • Keramik – gefräste, als auch gegossene Keramikinlays ermöglichen die Restauration größerer Defekte. Die Liegedauer ( 6 Jahre ) hängt vermutlich mehr von der Technik des Einsetzens, als vom Material selbst ab. Optisch lassen sich hervorragende Füllungen machen. Die Belastbarkeit ist nicht mit der von Goldinlay`s zu vergleichen. Im stark beanspruchten Gebiß ( Abrasionsgebiß) ist der Einsatz dieser Materialien nur mit Einschränkungen zu empfehlen.

Die Auswahl eines geeigneten Füllungsmaterials ist erst nach sorgfältiger Untersuchung und einer abgeschlossenen Vorbehandlung sinnvoll. Eine vorherige Prüfung der Verträglichkeit des gewünschten und geeigneten Produktes ist anzuraten.

p.s. Diese stark gekürzte Auswahl ist lediglich eine Orientierungshilfe für Ratsuchende